Chronik & Ergebnisse | Bürgerschützen-Gesellschaft 1668 Greven e.V.

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Die Geschichte der Bürgerschützen-Gesellschaft 1668 Greven e.V.

(Auszüge aus der Festschrift von 1968 – Bitte nicht über die Sprache wundern) 

Sicherlich können wir annehmen, daß die Gründung der Gesellschaft zwanzig Jahre nach dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück einem allgemeinen Bedürfnis nach Selbstschutz entsprach. Plündernde Landsknechtshaufen durchzogen das Land und zerstörten Hab und Gut der Bewohner. In dieser Zeit schlossen sich Grevener Bürger zu einer Notgemeinschaft zusammen und gründeten 1668 die Bürgerschützen-Gesellschaft. Daß darüber hinaus die Menschen unseres Greven nach der Not und den Drangsalen eines langen und unerbittlichen Krieges wieder die Bereitschaft zeigten, sich gesellschaftlich zu engagieren, ist - gemessen an den Umständen der Zeit - verwunderlich.

Die wichtigste Fundgrube und ein bleibendes Dokument aus alter Zeit sind die Schützenketten der Bürgerschützen. Die Bürgerschützengesellschaft von 1668 besitzt davon vier. Durch ihre Inschriften, Bilder und Symbole sind sie eine wertvolle Chronik, die alle Zeitläufe bisher schadlos überstanden hat. Beim Studium derselben fällt die hohe Kunstfertigkeit Grevener Meister auf. Aus den silbernen Schildchen sprechen Religiosität, Mahnung zur Verfassungstreue und zu bürgerlichen Tugenden, Stolz auf den Königsschuß, Humor, Freude am Beruf und kostbare Heimatgeschichte. Sie bleiben wertvolle, silberne Urkunden, die durch ihr Alter und durch die Kunde von Namen und Tagen, die längst vergessen sind, der Nachwelt erhalten werden. 

Aus dem Studium der Schützenketten ergibt sich, daß die Reihe der Schilder mit dem Jahre 1668 beginnt. In diesem Jahre wurde also das erste nachweisbare Königsschild gefertigt. Der nächste König regierte dann 1685, wie das zweite Schild anzeigt. Diese beiden ältesten silbernen Dokumente trägt ein massiv-silberner Vogel im Schnabel. Bei der weiteren Aufzeichnung der Ketten bis in die Jetztzeit wird manches ausgesagt, was für die damalige Zeit charakteristisch und eigenständig war. Besonders kostbar und wertbeständig sind die Gedanken und Aussagen mancher Könige.

Beim Studium und Ergründen der Schützenketten stößt man auf die verschiedensten Bezeichnungen des damaligen Schützenvereins. Man findet folgende Beschriftungen auf den Ketten: »Büörger Süöhne, Jung-Gesellschaft in Greven, bey die Dörfer Söhne König« Es ist fast sicher anzunehmen, daß die »Büörger Süöhne«, die auch zugleich unverheiratet waren, vor ihren Vätern und der späteren »Bürger-Gesellschaft« ihr Schützenfest gefeiert haben. Diese »Büörger Süöhne« waren die Söhne der Grevener Handwerker und Geschäftsleute. Fremde konnten in diesen Verein nur aufgenommen werden, wenn sie mindestens zwei Jahre im Ort ansässig waren, im Handwerks- oder Geschäftsbetrieb arbeiteten und kein Widerspruch gegen den Eintritt geltend gemacht wurde. Das erste Schild an der Schützenkette, die gemeinsam die Feiern der Schützenfeste beider Vereine anzeigt, läuft parallel mit der Jahreszahl 1823. Fast wäre anzunehmen, daß Christoffer Bröcker oder Heinrich Bertling die ersten nachweisbaren Könige der »Bürger-Schützen-Gesellschaft« sind. Beide waren Könige im Jahre 1823. 

Bei der Schützenfeier des Jahres 1789 ist eine interessante Neuheit zu verzeichnen, weil neben dem Namen eines Königs auch der einer Königin auftaucht. Auch damals galten bei den Schützen gewisse Gesetze und Statuten. Dem jeweiligen König waren bei der Auswahl der Königin einige Schranken auferlegt. Man sorgte auch schon damals für einen standesgemäßen Rahmen. Die Königin mußte aus ebenbürtigem und bürgerlichem Stande sein. Leider muß der König des Jahres 1789 mit der damaligen Königin nicht die besten Erfahrungen gemacht haben, denn die zweite Königin ist erst im Revolutionsjahr 1848 auf einem Schildchen vermerkt.

Es bleibt ungelöst, ob auch bis zum Jahre 1822 die Verheirateten der »Bürger Gesellschaft« in den Unverheirateten der »Jung-Gesellschaft Greven« mit integriert waren. Erst die Jahreszahl1823 bringt endgültige Klarheit darüber, daß von dort an beide Vereine jedes Jahr und am gleichen Tage ihr Fest feierten. Es ist bekannt, daß beide Schützenfeste zur Zeit des alle sechs Jahre stattfindenden Markenganges besonders ausgiebig gefeiert wurden. Bei dieser Gelegenheit erhielt dann auch der in den Ehestand getretene Junggeselle das Vollbad auf dem Marktplatz bei der Männertaufe, durch das er nun in den verheirateten anderen Verein hinüberwechselte. Beide Schützenvereine feierten getrennt ihr Fest, die Unverheirateten bei Höwer und die Verheirateten bei Winnighoff. Nach Umfragen wurde bestätigt, daß die Verheirateten zu dem Fest der Unverheirateten freien Zutritt hatten und umgekehrt. Es muß also zur damaligen Zeit ein herzliches Einvernehmen zwischen beiden Vereinen bestanden haben, wie es auch unter Verwandten und Söhnen üblich ist. Wie eng diese Bindung unter beiden Vereinen war, geht aus der Tatsache hervor, daß die Junggesellen die verstorbenen Kinder der Verheirateten zum Friedhof auf der Lindenstraße zu tragen hatten. Als Entgelt zahlt  die» Bürger-Gesellschaft« der» Jung-Gesellschaft« pro Kopf 2 Pfennige, die der Vereinskasse zuflossen. über die Charakteristik der Schildchen wäre zu sagen, daß diese am schönsten, am genauesten und am schmuckvollsten bei den ältesten Ketten aus geprägt ist. Man findet dort alles, was schon an anderer Stelle über die Schildchen gesagt ist: es ist eine kostbare Chronik auf silbernen Blättern. Bis zum Jahre 1809 heißt der König offiziell: »König im Dorf grefen«. Im folgenden Jahr 1810 bekommt er die Bezeichnung: »bey die Dörfer Söhne König«. Im Laufe der langen Zeit ihres Bestehens haben die Schützenvereine dauernd ihren Namen gewechselt. So finden wir im Jahre 1829 gemäß der Biederlack'schen Urkunde aus dem Jahre 1701, daß die Kirche das Schützenwesen straff in die Hand genommen hat. Das Schild des Jahres 1829 reagiert sofort und zeigt diese Änderung an: »Könnich der Junggesellen-Bruderschaft zu Greven.«

Ab 1823 feierten beide Gesellschaften recht einträchtig nebeneinander ihr Schützenfest. Im Jahre 1911 wurden innerhalb beider Vereine Bestrebungen laut, die auf eine Union zielten. Diese Fusion kam am 7. Juli 1913 auf dem Stiftungsfest der »Bürger-Gesellschaft« - man findet auch selten die Bezeichnung: »Männerschützen« - unter dem Königtum des Amtsbaumeisters Schulte zustande. Für die Junggesellen war diese Entscheidung nicht so leicht, weil diese noch 200 Mark in der Kasse hatten, während die »Bürger« mit 70 Mark »in der Kreide standen«. Es dauerte bis 1922, bis diese Fusion Wirklichkeit wurde. Seit dieser Zeit führt der Schützenverein offiziell die Bezeichnung »Bürger-Schützen-Gesellschaft von 1668«. Inzwischen taucht an den Ketten eine interessante Neuigkeit auf. Von 1922 bis 1937 sind immer wieder zwei Königspaare an den silbernen Schildchen festzustellen. 16 Königspaare residierten 16 Jahre lang friedlich neben der »Bürger-Schützen-Gesellschaft« als »Junggesellen-Schützenverein Greven«  weiter, obwohl dieser als fälschlich bezeichneter Verein nie Bindung zu den Bürgerschützen hatte. Es war ein neuer Verein in Greven, der ebenfalls Schützenfeste feierte und dessen Ketten einfach an die der » Bürger-Schützen« geheftet wurden. 1937 löste sich dann dieser Schützenverein wieder auf, und der größte Teil schloß sich den Bürgerschützen von heute an.

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