Das erste Schützenfest
Greven 1655 – über 370 Jahre lebendige Schützentradition
Greven 1655 – über 370 Jahre lebendige Schützentradition
Das erste Schützenfest, an dem sicherlich Glieder der heutigen Bürgerschützengesellschaft von 1668 teilgenommen haben, ist das aus dem Jahre 1655, das mit der Begehung der Marken zusammenfiel. Das sind nun über 370 Jahre her!
Am Nachmittag des Schützenfesttages traf man sich am »Kiäspels-Pütt« auf dem Marktplatz. Von dort marschierten die Markengenossen zu der vor dem Ort gelegenen »Vuogelrode«, die sich im Süden des Ortes einige hundert Meter vor der Burg Schöneflieth befand. Die heutige »Schützenstraße« ist ein glaubwürdiges Dokument dieses historischen Ortes. Hier ist also der vielgesuchte Ort der ersten Grevener Vogelstange zu suchen — die Bürgerschützen schossen lange Jahre ihren Vogel in Schöneflieths Garten in der Nähe der sagenumwobenen Burg ab.
Der große Holzvogel saß auf einer Holzstange und war mit einem Blumenkranz geschmückt. Solange ein Domdechant auf der nahen Burg Schöneflieth residierte, hatte dieser den ersten Schuss auf den Vogel zu tun. Als dann die Macht des Bischofs auf der Burg versiegte, vollführte der König des Vorjahres — wie es auch heute noch ist — den ersten Schuss.
Wer das letzte Stück von der Vogelstange herunterschoss, war Schützenkönig. Es durfte allerdings in damaliger Zeit nur ein verheirateter Mann König werden. Er wurde mit den Schützenkleinodien geschmückt und feierlich proklamiert. Der König genoss während des Jahres nicht nur besondere Ehren, sondern auch oft Befreiung von bürgerlichen Lasten.
Waren Königin und Hofstaat an der Vogelstange angelangt, so ging der Zug zuerst zur »Lindners Heide«, einem Flurstück in der Nähe des heutigen Krankenhauses. Dort tanzten König und Königin ein »Menuett«, auch »Niniveh« genannt, nach den Klängen der Musik — und die im Kreise stehenden Schützen sangen dazu: »Snieder Jan, un dee will stiärwen, un hee iss nao so junk un gesund!«
Von dort ging der Zug zum »Hoeker-Pütt«, einem Brunnen in einem der ältesten Winkel Grevens. Während die Musik dort aufspielte, zog man dreimal um den Pütt und sang dabei: »Watt iss in düssen Pütt?« — »Nicks äss Murre, Murre, Murre!« war die Antwort. Dann zog man in derselben Weise um den »Kiäspel-Pütt« auf dem Marktplatz.
»Ein Schütze hat seine Flinte mit Pulver geladen, mehrere Kugeln darauf gesteckt und oben durch den Zahn einer Mistgabel gesetzt. Mit dieser Ladung schoss er nach dem Vogel. Dieser fiel auch herunter, aber auch der Schütze lag auf dem Rücken — glücklicherweise, ohne Schaden erlitten zu haben.«