Die Entwicklung des Schützenwesens in Greven

Historische Abhandlung

Die ersten Schützenvereine waren Nachbarschaften und Notgemeinschaften

In grauer Vorzeit war der Mensch, der auf den Schutz des Staates verzichten musste, auf sich selbst gestellt, und er war nicht in der Lage, sich allein gegen die übermächtige Natur zu behaupten. Man war auf die Hilfe des Nachbarn angewiesen. Es ist vorstellbar, dass sich ein einzelner Mensch nicht gegen die wilden Tiere schützen oder durch Rodung neues Ackerland gewinnen oder alleine seine Ernte einbringen konnte. Durch eine solche Not gezwungen, entstand das, was allgemein unter dem Namen der Nachbarschaft verstanden wird.

»Diese Nachbarschaften sind lockere oder auch festere, auf alter Überlieferung beruhende Gruppen von nachbarlich zusammenwohnenden Menschen, die zu gegenseitiger Hilfeleistung verpflichtet sind.«

Aus einer »Chronik des Blomberg’schen Hofes« in Westerode ist bekannt, dass die »Eingesessenen am Blomenberge« in Westerode in einem Nachbarschaftsverband zusammengeschlossen waren. Aus dieser Nachbarschaft hat sich dann eine Gilde entwickelt, die im Jahre 1502 in der Wirtschaft Blomberg bei einer Zusammenkunft tagte.

Spamer sagt von den Nachbarschaften: »Das sind keine Vereine, die gegründet und aufgelöst werden können, sondern sie bestehen als selbstverständlich empfundene Traditionsgruppen, in die man hineingeboren wird, und die, wenn die Voraussetzungen für ihr Bestehen schwinden, nur ganz langsam absterben können.« Früher, als die Flurgemeinschaft ein Zusammenwirken der Feldarbeiten unbedingt erforderte, hatten die Nachbarschaften eine viel größere Bedeutung als heute.

Auch jetzt noch haben sie, wo sie bestehen, ihre großen sozialen Aufgaben zu erfüllen: Hilfeleistungen bei Sterbefällen, Neubau, Feuersbrunst, Hochzeit, Ernte, Hochwasser, Krankheit, Geburt und Tod. In den Bauerschaften Grevens und in der Stadt selbst bestehen noch heute feste und unzertrennliche Nachbarschaften.

Das Recht und die Verpflichtung dieser Vereinigung sind also ursprünglich mit dem Haus verbunden. Nur der Hausbesitzer war vollgültiger Nachbar. Für Mietlinge gab es besondere Bestimmungen. Heute werden diese Bestimmungen nicht mehr so streng gehalten. Jede Familie, die im Bereich der Nachbarschaft wohnt, kann in diese aufgenommen werden, wenn sie die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt, sofern kein Widerspruch gegen ihren Eintritt erhoben wird.

Nach den Schilderungen Grevener Bauern besaßen diese ihre Waffen im Hause, um im Ernstfall sich und die Nachbarschaft gegen Übergriffe von Mensch und Tier verteidigen zu können. Zu einer Zeit, wo noch keine Bauerschaften und Kirchspiele bestanden, war die Nachbarschaft der Kreis, in dem sich das Gemeinschaftsleben der Bauern Grevens abspielte. Die Bauern leisteten in ihr nicht nur ihre tägliche Arbeit, sondern sie verehrten auch in diesem Verband ihre Feld- und Waldgötter. Sie gingen in ihrer religiösen Bindung soweit, dass Karl der Große und die Kirche sich veranlasst fühlten, gegen die Nachbarschaften vorzugehen, denn sie vermuteten, dass diese die Wurzeln des Widerstandes gegen das Christentum und gegen die fränkische Herrschaft bildeten.

In der Zwischenzeit tauchte neben der Nachbarschaft ein neuer Name auf: die »Gilde«. Es ist nicht festzustellen, ob die Gilde die Nachbarschaft verdrängte oder ablöste, sondern es ist vielmehr anzunehmen, dass beide bestanden, nur dass die Gilde einen größeren Höfebereich umfasste. Außerdem legte die Gilde mehr Wert auf Schieß- und Waffenübungen, da Überfälle und kriegerische Unternehmungen überhandnahmen.

Karl der Große aber hütete sich, diese Gemeinschaften anzutasten oder gar auszurotten, denn sie waren echte Arbeits- und Lebensgemeinschaften. So fehlte es dann auch nicht an Zeugnissen für das Fortbestehen der Gilden im Grevener Raum. Das »Gildebier« wurde noch im 16. und 17. Jahrhundert in Greven getrunken.

Bei den Grevener Bauern hörte man früher noch vielfach den Ausdruck »Schüttebeer«. Leider ist nicht ganz klarzustellen, ob damit das Schützen- oder Gildebier oder sogar das Schützenfest gemeint ist. Im Jahre 1967 wurde bei den Erdarbeiten zum Umbau des Hotels Nettmann eine eingemauerte Flasche gefunden, an der ein Cognacglas und ein Schinkenknochen angebunden waren. Der Inhalt enthielt eine Urkunde in münsterländischem Platt, deren Scriptum leider nur bruchstückhaft erhalten geblieben ist.

Zeitgenössische Quellen beschreiben das Selbstverständnis der Schützenvereine so: Die Vereine wollten sich nicht nur auf Repräsentation und gesellige Unterhaltung beschränken, sondern der städtischen Behörde auch bei öffentlichen Gelegenheiten – sei es bei Ehrenfesten oder zur Hemmung von Exzessen und sonstigen wichtigen Anlässen – ihre Mitwirkung zuteil werden lassen. Eine solche Mitwirkung sollte von den städtischen Behörden nicht zurückgewiesen werden.

Die Entstehung der Gilden in Greven

Wann hören wir nun erstmalig urkundlich in Greven von den Schützengilden? Einen wertvollen Hinweis und einen wichtigen Anhaltspunkt gibt das Einnahmeregister der Commende Burgsteinfurt des Johanniterordens über die Entstehung des »Blomberghofes« in der Bauerschaft Westerode (domus Blomberghe). Zunächst erscheint es merkenswert, dass ganz nahe bei dem Blomberg’schen Hof der sogenannte »Gildekamp« liegt, später Ackerflur und zeitweilig Waldstück des Temming’schen Hofes.

Der ehemalige Mühlenhof Temming (Temmynck) wurde 1890 aufgeteilt. Übriggeblieben von der Stattlichkeit eines 300-Morgen-Hofes sind ein romantisches Stauwehr am Mühlenbach und die alten Gräften, die den ehemaligen Schultenhof noch heute umgeben. Die zum Hofe Temming gehörende Mühle wird urkundlich 1560/70 erwähnt. Der Rest des Hofes wurde 1917 parzelliert, und das Wohnhaus wurde 1922 verkauft.

Dass der »Gildekamp« in Temmings Besitz war, geht außerdem aus den Angaben in den Grundstücksbeschreibungen der Cabrüen der Commende hervor. Das Haus Blomberg war abgabepflichtig an das Haus Temming (Zehntpflicht). Dieser Gildekamp hat nach den Angaben von L. Prinz seinen Namen von der Gilde, die ein Nachbarschaftsverband war, der in eine Zeit vor der heutigen Bauerschaft hineinragte und der als solcher damals in alten Kirchspielen und Nachbarschaften bestanden hat.

Nachfolger der Gilde kann der Kreis der sog. »Eingesessenen am Blomenberge« sein, der heute noch existiert. Diese erste Gilde, von der man urkundlich weiß, hielt noch im Anfang des 16. Jahrhunderts in regelmäßigen Abständen ihre Zusammenkünfte ab. 1502 tagte sie bei Blomberg, der an der Reihe war, »die Gasterei abzuhalten«. Diese sogenannte »Freundschaftszusammenkunft« ist in Westerode auch unter dem Namen »Schmause« bekannt geworden.

Dieser Brauch wurde in Greven immer wieder von der Geistlichkeit und Obrigkeit wegen allzu üppiger Form unterdrückt, und wenn man bedenkt, dass das Gogericht »Up ter Meest« in bedenklicher Nähe lag, so wird wohl mancher »Schmauser« vor der Straffälligkeit zurückgeschreckt sein. »Die Geschichte der Stadt und des Amtes Greven« lehrt uns, dass Sünder in dieser Zeit in Fülle zu den vielen Gerichten pilgern mussten, um dort wegen zu »üppiger Gasterei« abgeurteilt zu werden.

Ursprünglicher Versammlungsort dieser Westeroder Nachbarschaftsvereinigung war vermutlich der »Gildekamp«. Diese Nachbarschaft, Gilde oder »Schmausereizusammenkunft«, wie man sie nennen will, die sich in einem wehrhaften Kreis aller Männer auf dem Gildekamp zusammenfand, ist sicherlich später, als die Aufgabe der Landesverteidigung in andere Hände übergegangen war und den Charakter der Wehrgemeinschaft verloren hatte, zum Hof Blomberg in die Wirtschaft verlegt worden.

W. Herrmann und H. Schründer wissen von einem »Gildehaus« zu berichten, welches sich die Bauern der Nachbarschaft in Greven geschaffen haben – ein Versammlungsplatz zu Gerichtssachen und für Lustbarkeiten. Vielleicht kann man ein solches in der Nähe des Gildekampes in Westerode vermuten? Bei Blomberg tagte die Gemeinschaft 1736 und 1773 als Nachbarschaft- und Bauernversammlung. Bis in die 1960er Jahre feierten die Westeroder ihr Schützenfest abwechselnd in den beiden Gaststätten Lengermann und Blomberg. Das erste Schild der Schützenkette dieser Bauerschaft trägt die Jahreszahl 1667.

In ähnlicher Weise sind wohl die Schützengilden in den übrigen Grevener Bauerschaften und im damaligen Dorf entstanden. Die älteste Schützenkette, die Greven besitzt, ist die der Schützengesellschaft Aldrup, die die stolze Jahreszahl 1588 trägt. Die Gimbter Kette beginnt allerdings erst mit dem Jahre 1797. Dass aber die Schützenvereinigung älter sein muss, geht schon wohl daraus hervor, dass in der benachbarten Bauerschaft Sprakel die Kette mit dem Jahre 1719 und die in Aldrup sogar mit 1538 beginnt.

Das älteste Schild an der Schützenkette der »Junggesellschaft in Greven«, die auch am Markengang der Grevener Mark beteiligt war, stammt aus dem Jahre 1668. Die Mitglieder dieser Gilde feierten ihr Fest unter anderem mit dem alle sechs Jahre stattfindenden Markengang und der Männertaufe zusammen.

Ausdruck der bäuerlichen Selbstverwaltung im engsten Bereich der Bauerschaft war das Gildebier, dagegen war der Schützenverein die Bekundung der Wehrkraft. Unter Karl dem Großen gerieten die münsterländischen Bauern unter die Hörigkeit des Bischofs und des Adels, so dass es keine Pflicht mehr gab, diesen in einem Kriege zu folgen. In den Krieg zog nur noch der Bischof oder der Dienstherr mit seinen Rittern, Edelleuten und Knappen. Der Bauer blieb zu Hause und zahlte dafür seinen Heerbannschilling.

Der Grevener Markt wurde von ausländischen Horden weggefegt

Zu oft hatte Greven unliebsamen Besuch aus der Nachbarschaft. Die Grafen von Tecklenburg hatten seit alter Zeit Ländereien in Greven liegen. Diese tecklenburgischen Besitztümer in Greven waren immer ein Zankapfel streitsüchtiger Landesherren. Die Ländereien werden immer wieder mit der Gründung des Ortes Greven in Zusammenhang gebracht. Brinckmann weiß von einer Sage zu berichten, nach der eine Gräfin von Tecklenburg im Kriege mit Münster unterlegen und auf der Flucht von Münster nach Greven gekommen sei. Sie habe hier eine Kapelle bauen lassen, und der Ort sei nach ihr (Gräfin = Greven) benannt worden.

Andere Deutungen meinen, dass der Name Greven von Graf komme und die Endung »on« oder »an« eine Ortsbezeichnung sei – Greven dann als gräfliche Siedlung gedeutet. Eine dritte Vermutung fußt auf der Bezeichnung Greven = Gräben und will diese geographisch aufschlüsseln. Alle drei Vermutungen halten W. Herrmann und H. Schründer für möglich. Urkundlich wird der Ort Greven erst im Jahre 1126 genannt: »…. a pago Greven usque in pagum Rene« (vom Dorf Greven bis zum Dorf Rheine).

Auch der Überfall auf Grevens berühmten Markt konnte nur gelingen, weil die Umstände der damaligen Zeit es nicht zuließen, dass eine bodenständige, heimische und dörfliche Wehr- und Schützenkraft ausgebildet und gefördert wurde. 1589 wurde dieser Markt von 400 holländischen Reitern überfallen und ausgeplündert.

Die natürliche Lage hat die Entstehung des Marktes beeinflusst: die Gaue und Bistümer, die in der Nähe Grevens zusammenstießen, die Lage an der »via regia« und die bis Greven schiffbare Ems. Dass der Grevener Markt im Mittelalter durch ganz Deutschland berühmt war, ergibt sich aus verschiedenen Urkunden. In einer Schrift aus dem Jahre 1656 wird Greven genannt: »Grevonis pagus, mercatu celebris«. Hobbeling schreibt über Greven: »Greven ist ein Flecken oder Stadtlein, zwo Meilen von Münster an der Ems gelegen, treibt viel Handlung und ist wegen des Jahrmarktes berühmt.«

Bei dem Überfall wurden die aus ganz Deutschland herbeigekommenen Kaufleute vorher gewarnt, und ein großer Teil hatte die Waren auf der Burg Schöneflieth untergebracht. Trotzdem war der Schaden sehr beträchtlich. Röchell – ein münsterischer Chronist – berichtet von dem Überfall:

»Anno 1589, den 25. augusti wordt zu Greven das markedt gewondtlicher Wise geholten, wellich markcdt dorch gantz Diietschland berompt ist; dan man findt alldar uf die tzeidt eine groesse zusammenkumpft van kauffleuthen und kremercn, so von vielen ortheren alldar zusammen kommen und midt einanderen koepslagen und hanteren, nu genck silleswigen das gruchte, das die krigesleuthe sollich markedt einmal visiteren und plunderen.«

Am Sonntag, dem 27. August, zogen mit dem Aufbruch der münsterischen Bewachung sämtliche Schutztruppen ab. Am Abend spät führte dann der Gograf Johann Uphuis die restlichen Soldaten zur Burg, um diese zu bewachen. Gegen vier Uhr kamen die Holländer – ungefähr 400 zu Pferde, halb deutsch und halb englisch –, ritten durch die Ems und fielen mit großem Geschrei ins Dorf ein. Sie überfielen den Markt und ließen keinen entkommen. Als alle Gegenwehr erloschen war, brachen sie die Lager auf und nahmen mit sich, was sie gebrauchen konnten.

Im Dorfe hausten die übrigen Reiter in ähnlicher Weise. Alle Winkel wurden durchsucht. Den Frauen wurden die Ringe von den Fingern und alle Zierde, den Männern die Lappen vom Leib und die Hüte von den Köpfen gezogen. Der Überfall auf Dorf und Markt dauerte bis ein Uhr. Nach dem »Lemgoer Druck« sollen bei diesem Überfall über 100 Menschen ums Leben gekommen sein.

Röchell gibt eine Aufstellung über die Verluste an, die einige Kaufleute zwecks Schadenersatz angaben. Diese Übersicht ist besonders wertvoll, weil sie Aufschluss gibt über die damaligen Berufe und das Kapital, das schon in jener Zeit auf dem Markte umgesetzt wurde:

Gewerbe Verlust (Richstaler)
Wandsnider 4.750
Kramer 11.619
Kegekramer 3.242
Wulner 1.600
Hoidmaker 313
Smedde 476
Kanngiesser 60
Schomaker 226
Zetteler 418
Widgerber 34
Buntfoderer 156
Becker 8
Gesamtschaden der Gemeinde 2.656

Diese Händler und Krämer, die den Markt besuchten, kamen ausnahmslos von auswärts, um ihre Waren abzusetzen. Die erste Grevener Landstraße, die »Rheinesche Straße«, ist ein denkwürdiges Zeugnis aus jener Zeit. Auf dieser Landstraße wird sich zu jener Zeit ein endloser Strom von Käufern und Händlern von der Nordsee und umgekehrt aus Süddeutschland kommend bewegt haben.

Da sich der Überfall auf den Markt gelohnt hatte, stellten sich immer mehr Freibeuter und Plünderer ein. Den zweiten Überfall des Jahres 1589 wagten die Spanier, die dieses Unternehmen mit dem Tode des Bruders ihres Anführers bezahlen mussten. 1590 stellte sich wieder ein Spanier ein, Emmanuel de Vega, der »berovede die burgen sowohl die buren«. 1591 war Greven abermals an der Reihe, als die Truppen des Grafen von Hollich und Überstein das Emsdörfchen ausraubten. Als dann die Horden des Dreißigjährigen Krieges über Greven hereinbrachen, konnte der Markt nicht mehr zu seiner einstigen Größe aufblühen.

Die Geißel des Dreißigjährigen Krieges über dem Emsdorf

Der Dreißigjährige Krieg brachte neues Leid und Elend über das Emsdörfchen. Gerade dieser Krieg schlug dem Orte die tiefsten Wunden. Schon zu Beginn im Jahre 1620 marschierte wieder einmal ein Holländer in Greven ein, der sich aber durch 300 Taler Schmiergelder von Plünderungen des schon vorher stark strapazierten Dorfes abhalten ließ.

Im März 1621 rückte abermals ein Holländer mit 2.000 Mann ein, der mit seinen Truppen den »Winterkönig« nach Holland bringen wollte. Dem Mansfeldischen Oberstleutnant Pieper wurde im Jahre 1622 nahegelegt, wieder abzuziehen, da das Dorf durch fortgesetzte Plündereien arg zerzaust war.

Als der badische Oberst Fleckenstein 1622 in Greven einrückte, hatte die Bevölkerung besonders zu leiden. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde geraubt. Zertreten und vernichten ließen die Truppen alles, was nicht im Grevener Hafen verladen werden konnte.

Auch der »Tolle Christian von Braunschweig«, der auf der Flucht vor Tilly war, drang am 3. August 1633 in Greven ein. Er eroberte Schöneflieth und quartierte seine Soldaten im Dorf ein. Diese zeigten sich besonders rauh und rücksichtslos, so dass die Bevölkerung froh war, mit dem Leben davonzukommen. Nachdem Christian Kirche und Brücke bei Schöneflieth zerstört hatte, brach er am 4. August wieder auf – bereits am Nachmittag traf Verfolger Tilly in Greven ein und verlegte ebenfalls sein Hauptquartier auf Burg Schöneflieth.

Als es dann bei Stadtlohn zur Schlacht zwischen Christian und Tilly kam, wurden die ligistischen Soldaten im ganzen Münsterlande einquartiert, und auch in Greven benahmen sich diese Soldaten nicht sehr rücksichtsvoll. Nachdem 1625 abermals Christian von Braunschweig über Greven kam und verhältnismäßig gnädig mit dem Dorfe verfuhr, raubten 1642 weimarische Truppen das Dorf aus und steckten Kirche und Ort in Brand.

Im Juni 1647 quartierte der schwedische General Königsmark mit seinen Truppen im Emsdorf, und im November 1647 löste ihn der kaiserliche General Lamboy ab. Nach dem Friedensschluss in Münster 1648 hatte Greven bis zum Siebenjährigen Kriege vor weiteren Schrecknissen Ruhe.

Neuer Krieg mit Blut und Tränen

Ein neuer Krieg und weiteres Unheil standen vor Grevens Toren. Die Urkunden berichten, dass 1760 wieder fremde Truppen in Greven hausten. Drei Tage später, am 14. August 1760, überfielen andere Soldaten von der Schifffahrt her das Dorf.

Der französische Marquis Conflans stattete 1761 Greven einen Besuch ab, und 1799 rückte das berühmte Husarenregiment Blüchers in das Emsdorf ein. Dabei gab es mit der Bevölkerung großen Streit, den Blücher aber selbst, wie die Briefe im Amtsarchiv beweisen, schlichtete.

Dann kam der Tag, an dem Blücher selbst in Greven einrückte. Am 2. August 1802 traf er hier ein mit einem Corps Kavallerie, Infanterie und Artillerie, schlug am gleichen Tage den preußischen Adler an und marschierte am folgenden Tage weiter, um auch Münster preußisch zu machen. Alle Protestnoten von Seiten des Domkapitels wurden nicht gehört.

An der Steinernen Schleuse bei der heutigen Wirtschaft Lengermann standen 1811 französische Chasseure und blockierten den Max-Clemens-Kanal. Am 2. November 1812 kam dann für das Emsdorf die endgültige Befreiung, als die französischen Truppen sich ziemlich lautlos aus Greven entfernten.

Die schrecklichen Leiden, Sorgen und Drangsale, denen die Bevölkerung Grevens ausgesetzt war, sind hier aufgeführt worden. Der Leser wird daran erkennen können, dass die Heimat nicht immer friedlich und sorglos in einem ruhigen Dornröschenschlaf schlummerte. Außerdem ist die Kriegsgeschichte Grevens einmal im Zusammenhang und lückenlos aufgezeichnet.

Gottesburg durch die Jahrhunderte

Die St.-Martini-Kirche stand jahrhundertelang als Bollwerk und Fels unerschütterlich inmitten der anbrandenden Kriegswogen. Sie hat dem Wandel und den Wirren, wie sie geschildert wurden, allerdings in veränderter Gestalt, tapfer widerstanden. Im Laufe der Jahrhunderte musste sie vieles erleben und mitmachen und sich manchen An- und Umbau gefallen lassen.

Es ist bekannt, dass man Greven auf eine Stiftung des heiligen Ludgerus zurückführt und der erste Kirchenbau um 800 n. Chr. erfolgt ist. Zeugnisse aus dieser Zeit sind nicht vorhanden, da die ersten Kirchen vermutlich aus Holz gebaut wurden. Ebenso ist nicht zu belegen, ob der künstlich aufgetragene Erdhügel, auf dem die Kirche steht, beim Bau der ersten Holzkirche oder bei der Aufrichtung der späteren Steinkirche entstanden ist.

Vermutlich begann man mit dem Steinbau im 12. Jahrhundert. Dann wäre der untere Teil des heutigen Turmes zugleich ein Rest dieser ehemaligen ersten in Stein ausgeführten Kirche. Sein Stil ist romanisch, denn die romanische Kunst fällt in die Epoche zwischen dem Ende des 10. und dem Beginne des 13. Jahrhunderts. Der Turm selbst ist zwei Meter dick und mit Schießscharten versehen, die uns die doppelte Aufgabe der Gotteshäuser jener Zeit in Erinnerung rufen: Raum für den Gottesdienst und Zuflucht- und Verteidigungsort in Kriegsgefahren zu sein.

Es muss angenommen werden, dass in den Türmen und Gewölben der wuchtigen Kirche heroisch um das Leben und Gut des alten Dorfes gerungen wurde. Der alte reckenhafte und eigenwillige Turm mit seinen Schießscharten wird in jener harten Zeit Verteidigungsgeschichte gemacht haben. Die leider mangelhaft ausgerüsteten Bauernwehren und Gilden werden nach ihrem Wahlspruch »Beschützer der Heimat« heldenhaft der Übermacht der gut ausgerüsteten Armeen der Kriegsherren Widerstand geleistet haben, zuletzt im Kampf mit den weimarischen Truppen, die die Dächer der Kirche, den Turm und das Pastorat in Flammen aufgehen ließen.

Lange Zeit blieb die ausgebrannte Kirche in Schutt und Asche liegen. Es fehlte das Geld, um sie wiederaufzubauen. Erst nach 16 Jahren, im Jahre 1638, vermachte der damalige Pfarrer Schmedding der Kirche eine Summe, mit der der Turm in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden konnte.

Von dem romanischen Kirchenbau steht heute nichts mehr. Am Ende des 15. Jahrhunderts, also in spätgotischer Zeit, wurde das Längsschiff gebaut, das noch heute so steht. Im Jahre 1892 fand dann die Einweihung eines Erweiterungsbaues feierlich statt. An der Ostseite des Chores befindet sich eine Inschrift, die die Erinnerung an diese Erweiterung festhält:

»Aedes haec sacra S. Martini B. Schmeink parrocho per architectum Hertel amplificata est annis 1890–92.«

Neuer Schützengeist unter »Bändken von Gaolen«

Es wurde festgestellt, dass sich das Fehlen schlagkräftiger Verbände furchtbar rächte. Auch Greven besaß in diesen Plünderjahren keine Wehrkraft, die imstande gewesen wäre, Dorf und Bevölkerung vor diesen Überfällen zu schützen. Die vielen Übergriffe waren aber ein Warnzeichen für die Grevener Obrigkeit. So begann man unmittelbar danach, ländliche Schützengilden neu zu bilden.

Diese sogenannten »Heimwehren« waren, auf sich allein gestellt, viel zu schwach, um sich gegen die gut organisierten und gut ausgerüsteten Freibeuter zu behaupten. So fing man auch in Greven mit einer Wiederbelebung der Schützenvereine an, zumal der damalige Landesherr, Fürstbischof Bernhard von Galen (1651–1678), dieses in einem Erlass ausdrücklich forderte.

Sicherlich ist anzunehmen, dass die Schützengesellschaften auch in Zeiten des Krieges mehr oder weniger aktiv am Werke waren – es fehlte ihnen nur die Unterstützung von der Obrigkeit, so dass sie den gut armierten Verbänden der Freibeuter keinen Einhalt bieten konnten. Durch Bernhard von Galen, der eine besondere Vorliebe für das Grevener Schützenwesen hatte, setzte die Selbstverwaltung des Volkes ein, und die Idee der Volksbewaffnung lebte wieder auf.

Nun war die Befreiungsstunde da. Wie es in Greven früher war, wurde die Mitgliedschaft für die Bauern wieder Pflicht, nur die Kötter brauchten zweimal im Jahr mit einer Hellebarde bzw. einem Knüppel zum Dienst zu erscheinen. Greven ist in der glücklichen Lage, ein Dokument zu besitzen, in dem eine solche Musterung beschrieben ist: eine Gogerichtsordnung des Beifanges Schöneflieth.

Das Gogericht im Beifang Schöneflieth wurde nach einer Urkunde aus dem Jahre 1644 immer vor dem »portus tho Sconeflith« abgehalten. Nach den Akten des Staatsarchivs Münster versammelten sich die »Göddingsgenossen« des Gogerichtes Schöneflieth auf dem Klaterberg zwischen Haus Schöneflieth und Gimbte. Ein jeder Genosse war mit einem Gewehr bewaffnet. Der Gograf nahm die Musterung ab.

Der militärische Führer auf Haus Schöneflieth hielt zuerst auf dem Klaterberg einen Waffenappell ab. Zur Mittagszeit marschierten alle Genossen in straffer Ordnung zur Burg Schöneflieth, nachdem sie vorher sechs Schuss Munition und das dazugehörige Pulver vorgezeigt hatten. Vor dem Gografen schoss ein jeder seinen Schuss Salut. Dann wurde vor der »porte der burgh« an einem Tisch Platz genommen und alle Namen der Genossen verlesen.

Aus der sogenannten »Schönefliether Musterung« ist zu ersehen, dass man die wehrhafte Ausbildung in Greven nicht vernachlässigte. Zur Übung und zur Erhaltung der Wehrhaftigkeit der Landbevölkerung fand in jeder Bauerschaft das »Vuogelscheiten« statt – in der Grevener Bevölkerung auch als »Papagayenscheiten« bekannt, da von der Mitte des 13. Jahrhunderts der Papagei in Niederdeutschland als Schützenkleinod galt.

Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Schützenwesen damals in Greven florierte, ist die Jahreszahl 1655 – ein denkwürdiges Datum, an dem nachweislich das erste Schützenfest stattfand. Die Obrigkeit förderte diese Schützenfeste in jeder Weise. Man braucht nur an die pflichtgemäße Beteiligung aller Männer nach der Verordnung des Fürstbischofs von Galen zu denken, wonach jede männliche Person im Alter von 15 bis 60 Jahren der Gilde angehören musste.

Nach einer weiteren Verordnung vom 8. Oktober 1844 waren die Schützenkönige von den öffentlichen Kommunalabgaben befreit. Die von den dörflichen Obrigkeiten oder vom Landesherrn aus dieser Zeit gestifteten Schützenkleinodien oder Schützenketten sind ein Zeichen dieser Bevorzugung von höherer Ebene.

Die Kirche nimmt das Schützenwesen in die Hand

Bei der Durchsicht der Ketten der Bürgerschützen wird deutlich, dass das tägliche Leben des Bürgers stark an das Religiöse gekoppelt war. Die Schützen pflegten auf dem Lande das gemeinsame Gebet, sie begruben gemeinsam ihre Toten, ließen für ihre Toten Gedenkgottesdienste abhalten, spielten Theater für den Bau neuer Kirchen und feierten weltlich und kirchlich das Fest ihres Kirchenpatrons. Von dieser Zeit wechselte die Gilde allerseits ihren Namen in »Bruderschaft«.

So finden wir auch heute noch in den Bauerschaften um Greven viele Schützenbruderschaften mit dem Beinamen des entsprechenden Patrons der Gemeinde oder Kirche. Aus Belegen kann beispielsweise die schon 1473 bestehende Ludgerusgilde oder -bruderschaft im benachbarten Elte ersehen werden. Diese Bruderschaften gingen in der Strömung der Reformation allerdings wieder unter, da die evangelischen Landesherren die katholische Rivalität in ihrem Herrschaftsbereich nicht duldeten.

Auf der anderen Seite war der altgläubigen Obrigkeit das üppige weltliche Treiben, wobei wiederholt Überschreitungen an der Tagesordnung waren, nicht genehm, so dass Gilden und Bruderschaften einfach für längere Zeit verboten wurden. Verbote dieser Art stehen reichlich in den Annalen der Grevener Heimatgeschichte. Aber die bodenständigen Grevener Bürger und Bauern ließen sich auf diese Art und Weise nicht ihre jährliche Schützenfreude verderben, sondern sie feierten ihr Schützenfest als rein weltliche Organisation weiter.

In der nun der Reformation folgenden Gegenreformation lebte der kirchliche Bruderschaftsgeist wieder auf. Greven besitzt ein wichtiges Dokument aus dem Jahre 1703, das belegt, dass hier eine »Bruderschaft des Heiligen Geistes« bestanden hat. Aus den Statuten dieser Bruderschaft ist ersichtlich, dass die Kirche die Zügel im Schützenwesen ganz straff in der Hand hielt: Es kam nicht mehr so sehr auf Feiern und Geselligkeit an, sondern der Schutz der Kirche, der katholischen Umzüge, der Prozessionen und Wallfahrten stand im Vordergrund.

Absatz III der Statuta berichtet beispielsweise, dass bei den jährlichen Messen – bei Straf einem Münster-Schilling – dem Gottesdienst beizuwohnen sei. Verständlicherweise findet man das Königsschießen mit Festessen und Tanz erst im letzten Kapitel der Statuta, womit dokumentiert wird, dass man den weltlichen Akt als weniger wichtig behandelt haben wollte. Trotzdem blieb auch bei den Bruderschaften das Königsschießen das wichtigste Element.

Wie aus den Statuten dieser Bruderschaft zu ersehen ist, hatte diese Gesellschaft nicht nur eine militärische und polizeiliche Funktion, sondern sie hatte auch noch die Aufgabe, Stadtdienste zu leisten. Bei der Überprüfung der Schilder der Bürgerschützenkette kann an der Jahreszahl 1829 ersehen werden, dass die »Jung-Gesellschaft in Greven« daraufhin in »Junggesellen-Bruderschaft zu Greven« umbenannt worden ist. Der König von 1829, Herrn-Heinrich Voß, war »Könnich der Junggesellen-Bruderschaft zu Greven«.

Die Marken – Gemeinschaftsgründe aller Grevener

Wenn vom Grevener Schützenwesen die Rede ist, so kann nicht an einem Ereignis vorbeigegangen werden, welches in alter Zeit bis zum Jahre 1853 alle sechs Jahre stattfand und alle Bauern und Bürger bei einer mehrere Tage andauernden Feier vereinigte. Alle sechs Jahre wurde ein Fest gefeiert, das man mit »Markengang« bezeichnete. Prof. Wibbe hat diesen Schnat- (Markierung, Grenze) oder Markengang, der sich alle sechs Jahre um die Grenzen der am 11. April 1842 noch 3.909 Morgen umfassenden »Grevener Mark« mit viel Aufwand und Entfaltung bewegte, festgehalten.

Weil auch die Schützengilden der »Herren-Düörper Süöhne« oder der »Büörger Süöhne« oder der »Junggesellschaft« oder der »Bürgergesellschaft« an dem Markengang teilnahmen, so wird es wichtig sein, einige Voraussetzungen zum Verständnis des eigentlichen Markenganges zu geben.

Unterstützung, Hilfe und Kraft bezogen die Bauern von jeher aus ihren Marken und Gemeinheiten, den Wäldern, den Weidegründen, den Wiesen und den Ödländereien, welche bei der ersten Besiedlung nicht in den Besitz eines einzelnen, sondern zur freien Verfügung der zu besonderen Markengenossenschaften zusammengeschlossenen Hofbesitzer liegen geblieben waren. Ein jeder durfte nach Maßgabe seines bestimmten Rechts seinen wirtschaftlichen Bedarf aus der Mark decken. Die Mark lieferte das nötige Bau-, Brenn- und Nutzholz für die bäuerliche Wirtschaft, in der gemeinsamen Mark wurden Vieh zur Weide und Schweine zur Mast getrieben. In der Mark stach man Torf für die Plaggen.

Die Aufsicht über die Markengründe führte der Holzgraf oder Holzrichter. Alljährlich versammelten sich diese mit den Markengenossen auf dem Marktplatz zum »Holting«, verhandelten über die gemeinwirtschaftlichen Angelegenheiten und brachten etwaige Verstöße gegen die Ordnung zur Sprache.

Der Markengang oder Snatgang geht bis in die heidnische Zeit zurück. Mit diesem Markengang hat sich schon 743 der heilige Bonifatius auf der Synode von Liftinae auseinandergesetzt, wo das »Tragen von Götterbildern durch die Felder« verboten wurde. Es handelte sich hierbei vornehmlich um Zauberriten, die die Äcker vor bösen Geistern schützen sollten. In zweiter Linie hatten diese kultischen Maßnahmen den Zweck, von den Göttern Fruchtbarkeit und eine reiche Ernte zu erflehen.

Eine spätere Zeit hat dann den Markengang ganz verweltlicht. Der Grevener sah darin nur noch den nüchternen, praktischen Zweck, der heranwachsenden Jugend die Grenzen der Mark einzuprägen, damit sie wusste, wie weit ihr Nutzungsrecht reichte. In Greven hielt man die Umgehungen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts für eine gottesdienstliche Handlung.

Von größter Wichtigkeit war die genaue Kenntnis der Grenzen dieser größten Grevener Mark. Nach einem Rezess vom 11. April 1342 betrug diese Mark 3.909 Morgen. Um sie zu sichern und im Gedächtnis festzuhalten, fanden alle sechs Jahre diese Markenbegehungen statt. Auf diesen Gängen wurden die Grenzsteine kontrolliert, beschädigte erneuert, umgefallene wieder aufgerichtet und absichtlich verrückte wieder an die alte Stelle gesetzt. Es wurden auch Einschnitte an Bäumen gemacht, damit besonders der Jugend die Grenzen der Mark immer eingeprägt blieben.

»Ein lustiger Zug durch die Gemeinde«!

Der Markengang hat nachweislich schon 1655 stattgefunden, doch ist sicherlich damit zu rechnen, dass er viel älter sein muss. Von dieser Zeit datiert auch das erste Grevener Schützenfest.

Der Markengang wurde für Ende Juli oder Anfang August festgesetzt, wenn die Ernte eingebracht war. Bekanntgemacht wurde er in der Kirche von der Kanzel oder im Ort durch Ausrufer. Man traf sich am abgemachten Tage um 7 Uhr bei bester Stimmung auf dem Marktplatz bei »Kiäspels-Pütt«. An der Spitze des Zuges rangierte ein Trommlerkorps. Dahinter bewegten sich entsprechend ihrer Würde der Pastor, der Vorsteher, der Holzrichter, die Schöffen und ein Notar – der letztere war auch damals schon unentbehrlich, da Protokolle nicht auszuradieren sind.

Hieran schloss sich dann der Schützenverein, der damals noch die »Herren-Düörper-Süöhne« hieß, mit Äxten, Beilen, Schaufeln, Spaten und Stangen – alles Werkzeuge, die auf einer solchen Begehung gebraucht wurden. An den Stangen wurde das gespendete Federvieh siegreich nach Hause getragen. Nun reihten sich mehrere Leiterwagen ein, um die Abgaben und Naturalien mitzuführen.

Der Weg dieses lustigen Zuges führte über die heutige Barkenstraße in den Osten des Grevener Amtsbezirks bis zum Verspoel, wo sich die Eingesessenen der Bauerschaft Wentrup anschlossen. Auf dem Hof des Schulzen Jochmaring in Schmedehausen wurde Rast gemacht, und der Schulze musste einen Imbiss liefern, der aus zwei Schinken, zwei Schwarzbroten und einer Tonne Bier bestand.

»Haus- und Hofraum zu betreten, hat sich schlechterdings sehr keck Schulze Jochmaring verbeten, legt ein Schwarzbrot auf das Heck. Musste wiegen fünfzig Pfunde, hat’s zu vierzig akkordiert, ist dafür als fauler Kunde in dem Quittungsbuch notiert.«

Aus diesen Versen ist zu ersehen, wie hart die Bestimmungen und Vorschriften waren. Der Pastor von Greven hatte den Schinken und der Vorsteher das Brot zu teilen. Anschließend hatte der Schulze auch noch ein Abendessen zu geben, zu dem er auch noch mit seiner Frau eingeladen wurde – bei dem er noch einmal gerupft wurde, denn er musste noch einen »Thaler« als schuldige Abgabe leisten.

Nach dem Essen zogen die Wentruper mit ihrem Holzrichter nach Hause zurück, die Grevener setzten ihren Weg fort. Dabei kassierten sie die 90 Vierpfennigstücke, die Möller-Arndt abgezählt auf seinem Heck (Schlagbaum) liegen hatte. Beim Schulzen Elting nahmen sie einen Schinken und zwei Thaler, während der Landkröner 80 auf dem Küchentische bereitliegende Dreipfennigstücke anbieten musste. Hier wurde dann noch nach dem Takte des auf- und niedergezogenen Kesselhakens die Küche durchschritten.

Für das Weide- und Plaggenstichrecht wurden außerdem von jedem Markengenossen ein Huhn und zwölf Eier eingesammelt. So ist es zu verstehen, dass man mit großen Vorräten nach Greven zurückkehrte. Der Pastor, der Dorfvorsteher und das Ehepaar Jochmaring erhielten in Greven in der besten Kammer einer Wirtschaft eine besonders fein hergerichtete Mahlzeit, während der Schulze Elting und der »Landskröner« mit ihren Frauen in der Küche essen durften. Der »Landskröner« hatte das bei Jochmaring nicht getrunkene Bier hinter dem Zuge her auf einer Karre nachzuschieben.